Partizipation in Kitas bedeutet mehr als nur, dass Kinder einfach "mitmachen" dürfen. Aber ist dies bei schlechten Personalschlüsseln und vollen Kitas überhaupt im Alltag umsetzbar?
Die Frage legt nahe, dass pädagogische Fachkräfte die Option hätten, Kinder nicht zu beteiligen. Doch die gesetzlichen Vorgaben sind eindeutig: Pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen sind verpflichtet, Kinder an Entscheidungen, die ihr Leben oder das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu beteiligen. Das geht eindeutig aus der UN-Kinderrechtskonvention (Art. 12), dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (§ 8b SGB VIII) sowie den Kindertagesstättengesetzen der Länder hervor. § 45 (2) SGB VIII macht inzwischen sogar die Erteilung der Betriebserlaubnis von konzeptionell verankerten Partizipationsverfahren abhängig.
Dabei ist Partizipation keine zusätzliche Aufgabe, die neben vielen anderen erbracht werden muss. Kinder zu beteiligen, ermöglicht vielmehr zentrale Aufgaben von Kindertageseinrichtungen angemessen und wirkungsvoll umzusetzen. So gilt Partizipation als

  • „Schlüssel für gelingende Bildungsprozesse„, da Bildung ohne die aktive Beteiligung der Kinder nicht zu haben ist (vgl. stellvertretend für die Bildungsrahmenpläne der Bundesländer Knauer/ Hansen 2008; Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen/ Staatsinstitut für Frühpädagogik München 2005),
  • notwendig für die Gestaltung von Inklusion, da eine Pädagogik der Vielfalt konkret nur durch Beteiligung der Einzelnen umzusetzen ist (vgl. Booth/ Ainscow/ Kingston 2006),
  • ein Beitrag zur Resilienzförderung bei Kindern, von der insbesondere Kinder in schwierigen Lebenslagen profitieren (vgl. Lutz 2012),
  • ein wichtiger Beitrag zum Kinderschutz (§ 45 (2) SGB VIII wurde durch das Bundeskinderschutzgesetz geändert),
  • einzige Möglichkeit, demokratische politische Bildung von Kindern in Kindertageseinrichtungen zu befördern (vgl. Hansen/ Knauer/ Sturzenhecker 2011).

Partizipation erfordert ein Umdenken in der Frühpädagogik. Die Herausforderung besteht darin, Kinder nicht mehr als Gegenstand der pädagogischen Arbeit zu betrachten, „an„ denen gearbeitet wird, sondern als gleichwertige Menschen mit eigenen Rechten, denen man zutrauen kann und soll, diese auch wahrzunehmen.
Quelle: KiTa aktuell ND, Ausgabe 03.2013, S. 67-69