“Kinder sind von Grund auf gut, die Aufgabe des Erziehers ist es, dafür zu sorgen, dass das Kind gut bleibt!”


Prinzipien der situationsorientierten Arbeit

Der Situationsansatz geht von der Grundannahme aus, dass Kinder von Anfang an eigene Rechte haben und ihre Entwicklung selbst leisten. Sie vollziehen die für ihre Entfaltung notwendigen Schritte durch eigene Aktivitäten. Erwachsene sind dafür verantwortlich, Kinder durch verlässliche Beziehungen und ein anregungsreiches Umfeld in ihrem Streben nach Weiterentwicklung zu unterstützen.


Grundsätze der Situationsorientierten Arbeit

1. Die pädagogische Arbeit geht aus von den sozialen und kulturellen Lebenssituationen der Kinder und ihrer Familien.

2. Pädagogen finden im kontinuierlichen Diskurs mit Kindern, Eltern, Lehrern und anderen Erwachsenen heraus, was Schlüsselsituationen im Leben der Kinder sind.

3. Pädagogen analysieren, was Kinder können und wissen und was sie erfahren wollen. Sie eröffnen ihnen Zugänge zu Wissen und Erfahrungen in realen Lebenssituationen.

4. Pädagogen unterstützen Mädchen und Jungen in ihrer geschlechtsspezifischen Identitätsentwicklung und wenden sich gegen stereotype Rollenzuweisungen und -übernahmen.

5. Pädagogen schaffen Voraussetzungen, damit Kinder ihre Spielbedürfnisse realisieren und sich auch dadurch selbstständig mit ihrer Lebenswirklichkeit auseinander setzen.

6. Pädagogen ermöglichen, dass jüngere und ältere Kinder im gemeinsamen Tun vielseitige Erfahrungen sammeln und einbringen können.

7. Pädagogen unterstützen Kindern darin, das Leben in der Kindertageseinrichtung aktiv mitzugestalten.

8. Im täglichen Zusammenleben findet eine bewusste Auseinandersetzung mit Werten und Normen statt. Regeln werden gemeinsam mit den Kindern vereinbart.

9. Die Arbeit in der Kindertagesstätte orientiert sich an Anforderungen und Chancen einer Gesellschaft , die durch verschiedene Kulturen geprägt ist.

10. Die Kindertagesstätte integriert Kinder mit Behinderungen, mit unterschiedlichen Entwicklungsvoraussetzungen und Förderbedarf und wendet sich gegen Ausgrenzung.

11. Räume und deren Gestaltung stimulieren die Selbstständigkeit der Kinder in einem anregungsreichen Umfeld.

12. Pädagogen sind Lehrende und Lernende zugleich.

13. Eltern und Pädagogen sind Partner in der Betreuung, Bildung und Erziehung der Kinder.

14. Die Kindertageseinrichtung entwickelt enge Beziehungen zum sozialräumlichen Umfeld.

15. Die pädagogische Arbeit beruht auf Situationsanalysen und folgt einer prozesshaften Planung. Sie wird fortlaufend dokumentiert.

16. Die Kindertageseinrichtung ist eine lernende Organisation.


Diese Grundsätze prägen unsere pädagogische Arbeit in unseren Einrichtungen im Haus. Dabei überprüfen wir diese immer wieder auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit.


Beziehungsarbeit

Voraussetzung für unsere pädagogische Arbeit ist der Aufbau eine vertrauensvollen Beziehung zwischen uns und dem Kind

  • gehen wir auf die individuelle Persönlichkeit jedes Kindes ein
  • nehmen wir jedes Kind mit seinen Fragen und Vorstellungen ernst
  • kennzeichnen Zuneigung, Interesse, Austausch und das Einlassen auf die andere Person unser gemeinsames Handeln
  • reden wir nicht nur über unsere Vorstellungen, sondern handeln auch danach und übernehmen so eine Vorbildfunktion
  • bieten wir den Kindern Lernfelder und Übungsräume, um ihnen konstruktive Auseinandersetzungen mit uns und anderen zu ermöglichen
  • haben wir Verständnis für ihr Verhalten, stellen aber auch gleichzeitig eine kritische Instanz dar, die ihnen Grenzen aufzeigt, an denen sie sich orientieren können

Gruppenarbeit

Ein wichtiger Bestandteil unserer Hortarbeit ist vor allem die Arbeit in Gruppen. Dies ist besonders für Einzelkinder, aber auch für Kinder, die Schwierigkeiten im Umgang mit anderen haben, besonders wichtig.
In Gruppen lernen die Kinder teambezogenes Arbeiten und erleben ihre eigenen Stärken und Schwächen. Auch können sie sich bei uns im Hort mit gleichaltrigen, jüngeren, älteren und Kindern unterschiedlicher Nationalitäten über Fragen und Probleme, die außerhalb von Familie und Schule liegen, austauschen und mit diesen auseinander setzen.
Bei allen Formen der Gruppenarbeit achten wir immer auf den individuellen Entwicklungsstand und Bedürfnisse der Kinder.

Projektarbeit

Bei Projektarbeiten setzen sich die Kinder mit verschiedenen Themen auseinander. Zielsetzung einer Projektarbeit ist es, den Kindern die Teilnahme an interessanten Beschäftigungen zu ermöglichen und sie dabei mit vielen Ausdrucksmöglichkeiten vertraut zu machen.
Im Vergleich zu vielen Einzelaktivitäten am Nachmittag werden Projekte über einen längeren Zeitraum “intensiviert” durchgeführt.

Wie ein Projekt geplant und durchgeführt wird, erläutern wir am Beispiel “Faustlos”, ein Gewaltpräventionsprojekt, das in unserem Haus seit November 2007 durchgeführt wird, am Ende dieses Kapitels.

Zielgruppenarbeit

In der Zielgruppenarbeit berücksichtigen wir die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Kinder (z. B. Mädchen und Jungen, ältere und jüngere Kinder, Kinder unterschiedlicher nationaler Herkunft).
Dazu schaffen wir pädagogische Angebote, die speziell auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Mädchen- und Jungenarbeit

Gerade im Schulalter findet eine ständige Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechterrolle statt. Dazu gehören die Wahrnehmung des eigenen Körpers, die Entwicklung der eigenen Identität und eine kritische Auseinandersetzung mit den Rollenbeschreibungen. Dies berücksichtigen wir bei uns im Hort mit geschlechtsspezifischen Angeboten, die wir je nach Bedürfnis, sowohl in gemischt-, als auch in getrenntgeschlechtlichen Gruppen durchführen. Dabei wollen wir Benachteiligungen abbauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen fördern.

  • Wir schaffen Rückzugsmöglichkeiten durch einen Mädchen- und Jungenraum, um bei Bedarf ungestörtes Spielen zu ermöglichen.
  • Wir nutzen Gespräche zu einem besseren Verständnis der eigenen Erlebniswelt der Kinder.
  • Wir behandeln in getrennten Gruppen Themen wie Sexualität.
  • Wir geben den Kindern die Möglichkeit, geschlechtstypische Interessen auszuleben (z. B. tanzen, Fußball spielen, Schminkecke, Wettkämpfe).
  • Wir motivieren die Kinder dazu, geschlechtsuntypische Spiele und Verhaltensweisen auszuprobieren.
  • Wir akzeptieren Rollenunterschiede, aber nur die, die unsere Kinder nicht einengen.
  • Wir wollen, dass den Mädchen ihre Stärken und ihren eigenen Werte werden und helfen Jungen dabei, ihre Schwächen zu akzeptieren, z. B. durch Rollenspiele, Projekte, Gespräche.
  • Wir führen Gruppengespräche bei konkreten Konfliktsituationen zwischen Jungen und Mädchen durch.
  • Wir bieten den Kindern Spiele, Cassetten und Bücher an, die veränderte Rollenbilder zeigen.
  • Wir haben durch unser eigenes Rollenverhalten, das wir immer kritisch unter die Lupe nehmen, eine Vorbildfunktion.

Arbeit mit jüngeren und älteren Schulkindern

Unserer Einrichtung besuchen Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren. In diesem Altersabschnitt durchleben die Kinder verschiedene Entwicklungsphasen:

  • sie werden größer und stärker
  • das Wissen nimmt zu
  • sie lernen vielfältigere Ausdrucksmöglichkeiten
  • ihre Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen wachsen
  • sie wünschen sich, mehr Verantwortung übernehmen zu dürfen
  • sie können ihre Gefühle besser differenzieren
  • sie treten in die Pubertät ein

Aus diesen Entwicklungsphasen ergeben sich für die Kinder unterschiedliche Bedürfnisse, auf die wir individuell eingehen:

  • Wir bieten unterschiedliche Räume und Spielmaterialien mit festen Bezugs-betreuerInnen.
  • Wir machen verschiedenen Angebote für Rollen-, Regel- und Bewegungsspiele.
  • Wir stellen klare Regeln für jüngere und ältere Kinder auf.
  • Wir übertragen bei Projekten den älteren Kindern mehr Verantwortung und beziehen sie mehr in die Planung mit ein.
  • Wir vermitteln Wissen kindgerecht und stellen verschiedene Informationsquellen zur Verfügung.
  • Wir räumen älteren Kindern mehr Freiräume ein.

Arbeit mit Kindern unterschiedlicher Nationalitäte

Unsere Einrichtungen nehmen Kinder aller Nationalitäten auf. Durch verschiedene Sprachen, Religionen, Essgewohnheiten, Kulturen und Wertvorstellungen bieten sich für alle Kinder Chancen ein interkulturelles Miteinander in der Gruppe zu erlernen.

  • Wir versuchen Distanzen abzu-bauen und Vorurteile zu beseitigen.
  • Wir respektieren Unterschiede und lassen die eigenen Identitäten zu.
  • Wir fördern die Sprachent-wicklung.
  • Wir informieren uns über andere Kulturen und machen Projekte dazu, z. B. gemeinsames Kochen mit den Eltern.

Um Sprachbarrieren abzubauen, findet in unseren Räumlichkeiten außerdem in Zusammenarbeit mit der VHS Trostberg der Sprachkurs “Mama lernt Deutsch” statt. Dazu motivieren wir die Mütter unserer Kinder.

Auch dies ist für uns ein wichtiger Bestandteil unserer Integrationsarbeit im Haus. Nur durch ein Miteinander, das durch Respekt und Achtung gekennzeichnet ist, gelingt eine Eingliederung der Migrationskinder in unsere Gesellschaft.